2/2 Spargelsaison in Zeiten von Corona: Ein Schlussstrich.

2/2 Spargelsaison in Zeiten von Corona: Ein Schlussstrich.

Angefangen hat das Jahr mit tatkräftiger Unterstützung durch Anne und Lukas, die den Betrieb gemeinsam durch die Hochsaison begleiten sollen. Dann kam Corona und als im März die Grenzen geschlossen wurden war klar: Dieses Jahr wird anders.

Mit Hilfe der eingerichteten „Luftbrücke“ für Erntehelfer*innen haben wir insgesamt acht unserer langjährigen rumänischen Saisonmitarbeiter*innen auf den Betrieb einladen können. Doch selbst für einen kleinen Betrieb wie uns reicht eine 40 %-ige Besetzung nicht aus um eine Hochsaison zu  stemmen. Unser Aufruf auf Instagram, facebook, unserer neuen Homepage und auf verschiedenen Helfer-Plattformen hat hunderte Angebote die Ernte zu retten bewirkt. Aus den zahllosen Bewerbungen haben wir letztendlich etwa 25 Anpacker*innen anstellen können. Diese haben Spargel gestochen, Grünspargel geschnitten, Rohware gewaschen, sortiert, verpackt und im Hofladen verkauft.

Unser Team hat sich fast ausschließlich aus jungen Menschen zusammengesetzt, die eigentlich große Pläne hatten: Eine Weltreise nach dem Abi oder das erste Semester an der Uni. Stattdessen standen sie nun am Spargeldamm, an der Sortiermaschine oder im Hofladen.

An Motivation hat es allen nicht gefehlt. Arbeitsqualität, Verantwortungs-und Pflichtbewusstsein hatte Dieter wohl auf einen anderen Niveau erwartet, was ein paar Nerven und graue Haare gekostet hat. Die Mitarbeiterführung war anspruchsvoller. Da sind auch Fehler gemacht worden.

Aber kann ein Vergleich mit anderen Jahren funktionieren? War diese Saison nicht einmalig und im nächsten Jahr ist wieder alles back-to-business? Wir können nur hoffen und aus den Fehlern lernen.

Finanziell haben wir mittlerweile einen Überblick: Bedingt durch höhere Löhne, geringere Ernteleistungen, längere Anlernzeiten und Qualitätsverluste, gepaart mit anspruchsvollerer Logistik und Organisation der Arbeitskräfte, sind Ernte- und Aufbereitungskosten gestiegen. Durch stabilere Preise und einen sehr guten Absatz in der Direktvermarktung konnte der Mehraufwand teilweise aufgefangen werden.

Letztendlich konnten wir, was zu Beginn der Saison nicht klar war, neben dem Hofladen auch den Groß- und Einzelhandel und die Gastronomie fast wie gewohnt mit unseren Produkten beliefern.

Tägliche Arbeitszeiten bis zu 16 Stunden (Gabi + Dieter), ein dickes Paket Überstunden für Lukas und 8 anstrengende „Alleine-Mama-Wochen“ für Anne liegen hinter uns. Keine Feiertage und auch sonst keine freien Tage seit Ostern stecken uns in den Knochen. Jetzt gilt es die Belastung wieder runterzufahren, die Batterien langsam wieder aufzuladen. Das fällt nicht immer leicht beim Blick auf die vielen Dinge, die in den letzten 10 Wochen liegen geblieben sind. Und der Arbeitsalltag geht auch weiter: Himbeer- Ernte, Brombeer-Ernte, Pflege der Spargelanlagen, Aufbau der neuen Himbeeranlagen, Erdbeer-Neupflanzung, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz, und, und, und…

Uns wird nicht langweilig. Zu Kurzarbeit werden wir nicht gezwungen sein. Eher versuchen wir wieder normale Arbeitszeiten zu erreichen und uns auch mal wieder ein bisschen Freizeit zu gönnen.